Was ist ein Smart Home?

Was ist ein Smart Home?

4. Juni 2018 2 394 Von Bastian

„Licht, Schatten, Heizung und Kaffeemaschine mit dem Smartphone oder Deiner Stimme bedienen“ – Was klingt wie eine Werbebotschaft, ist für viele Einsteiger die Erklärung des Begriffes Smart Home. Aber seien wir ehrlich, in Zeiten von Philips Hue, Amazon Echo, Somfy und Co sind solche Szenarien längst Alltag. All diese Gadgets sind längst erhältlich und lassen sich meist mit wenigen Handgriffen integrieren und betreiben. In diesem Artikel beschreibe ich das Thema Smart Home aus meiner Perspektive, bewerte den aktuellen Markt und geben einen Ausblick auf die Entwicklung der nächsten Jahre.

Smart Home in aller Munde

Der Begriff ist in unserem Alltag allgegenwärtig. Das zeigt nicht zuletzt Google Trends.

Google Trend des Suchbegriffes Smart Home seit 2010

Google Trend des Suchbegriffes Smart Home in Deutschland seit 2010

 

Die Suchanfragen nach „Smart Home“ erklimmen jedes Jahr neue Höhepunkte. Interessanterweise ist das Thema eines für Herbst und Winter, denn im Sommer werden deutlich weniger Suchen danach bei Google durchgeführt.

Wer anfängt sich mit dem Thema Smart Home zu beschäftigen, der stößt schnell auf KNX, Z-Wave und Co. In diesem Artikel soll es allerdings nur am Rande um Hersteller, Quasi-Standards und den Vergleich derer gehen. Viel mehr möchte ich auf die Begrifflichkeit Smart Home als solche eingehen und diese differenziert betrachten.

Die Verwässerung des Smart Home

Der Begriff ist vielschichtig und wird insbesondere von Herstellern und Medien inflationär verwendet. So bietet heute jedes per App steuerbare Gerät ein einzigartiges Smart Home Erlebnis. Sei es die LED Lampe oder der Fernseher, alles Smart Home. Und für jedes dieser Geräte gibt es eine App mit der man tolle Sachen machen kann.

Du merkst schon worauf ich hinaus will, oder? Die Ansammlung diverser, mit dem Smartphone steuerbaren Gadgets, machen Dein Haus nicht zu einem Smart Home. Eventuell machen sie es ein wenig smarter, weil Du zum Einschalten des Lichtes nicht mehr aufstehen musst. Viel mehr aber auch nicht.

In den nachfolgenden Kapiteln findest Du meine Sicht auf das Thema Smart Home.

Meine Definition eines Smart Home

Was macht denn nun ein smartes Haus aus? In meinen Augen ist es die Zusammenarbeit und Automatisierung der Gadgets und Installationen. Die sinnvolle Interaktion der vielen kleinen Helfer zur Erleichterung des Alltags, zur Einsparung von Ressourcen sowie Optimierung und Koordination ganz alltäglicher Dinge.

Es ist die Sammlung und zugleich Verarbeitung von Informationen mit deren Hilfe Aktionen ausgeführen werden. Das Smart Home reagiert also statt auf Eingaben in einer App hin zu aggieren. Das sind zu einem Großteil Dinge die man ohnehin tun würde. Sei es das Einschalten des Lichtes beim Betreten des Badezimmers oder das aufdrehen der Heizung wenn es zu kalt ist.

Dinge die man ohnehin tun würde? Dann kann man es doch gleich manuell machen und den ganzen Technik-Kram weglassen. Richtig! Das gilt zumindest für den Teil des Smart Home den ich unter Komfort verbuche. Komfort aber ist längst nicht alles was ein Smart Home zu bieten hat.

Von Sensoren und Aktoren

Zur Gewinnung von Informationen werden Sensoren eingesetzt. Jeder dieser Sensoren zeichnen ganz einfache Dinge auf und geben diese Informationen an die Smart Home Zentrale – das Herzstück eines jeden Smart Home – weiter. Dabei handelt es sich beispielsweise um das Öffnen eines Fensters, die Temperatur oder Bewegung in einem Raum.

In der Zentrale werden dann auf Grundlage diese Informationen und den definierten Abhängigkeiten Steuerungsbefehle an Aktoren gesendet. Wie der Name schon sagt, führen diese Aktionen aus. Beispielswese führt ein über eine gewisse Dauer geöffnetes Fenster zum Absenken der Heizung im betreffenden Raum.

Die Charakteristika eines Smart Home

Die oben erwähnten Smartphone Gadgets lassen sich fast ausnahmslos in die Kategorie Komfort einordnen. Mit ihnen lassen sich einzelne Aktoren – ohne die Berücksichtigung von Abhängigkeiten – mit Hilfe einer App schalten. Im Grunde ist es nicht mehr als die Weiterentwicklung der Infrarotfernbedienung.

Smart Home ist aber viel mehr als eine moderne Fernbedienung. Es werden Aktionen anhand von Bedingungen, Zuständen und Messwerten ausgeführt. Über alle Geräte(-klassen) hinweg.

Teilt man die realisierbaren Szenarien in einem Smart Home in Charakteristika ein, so sind neben Komfort auch Energiesparen und Sicherheit sehr wichtige Aspekte auf dem Weg zum Smart Home.

Sicherheit

Sicherheit im Smart Home

Sicherheit im Smart Home

Richtig geplant und umgesetzt trägt ein Smart Home elementar zur Sicherheit seiner Bewohner und deren Eigentum bei. Schutz vor Wasser, Feuer und Einbruch, kombiniert mit entsprechenden Maßnahmen, steigert die gefühlte und tatsächliche Sicherheit in den eigenen vier Wänden. Es ermöglicht das automatische Einleiten von Reaktionen auf vorhersehbare und plötzliche Gegebenheiten. So lässt sich beispielweise bei stark ansteigenden Temperaturen  automatisch die Feuerwehr alarmieren oder bei austretendem Wasser die Hauptleitung abstellen um mögliche Schaden zu minimieren.

Die intelligente Verknüpfung klassischer Einbruchmeldegeräte wie Bewegungsmelder, Tür– und Fenstersensoren und Kameras schützen Hab und Gut der Eigentümer und ermöglichen die Aufzeichnung und Dokumentation um die Wahrscheinlichkeit Aufklärung zu erhöhen.

Zudem lässt sich die Sicherheit von Leib und Leben durch Panik-Szenarien erhöhen. Bei älteren Menschen könnte die Überwachung von Vitalfunktionen Menschleben retten.

Energiesparen

Energiesparen im Smart Home

Energiesparen im Smart Home

Die wohl nachhaltigste Eigenschaft eines Smart Home ist das Potenzial zur Einsparung von Energiekosten. Intelligente kombinierte Steuerungen ermöglich nicht unerhebliche Einsparungen von Strom, Gas und Wasser.

Allein die Trennung nicht genutzter Geräte vom Stromnetz spart etliche hundert Euro Kosten im Jahr. Wie bereits in meinem Artikel Stromsparen mit Lua erwähnt, führt dies allein im Wohnzimmer zu mehr als € 300 Stromkosten die jährlich eingespart werden.

Das automatisierte Absenken der Heizung wenn niemand im Hause ist, oder ein Fenster geöffnet wird, bietet ebenfalls Einsparungsmöglichkeiten und damit verbunden die Erhöhung der persönlichen Nachhaltigkeit für unsere Umwelt.

Durch smarte Verknüpfungen von Bewegungs- und Anwesenheitssensoren lässt sich weiterhin unnötig eingeschaltetes Licht im ganzen Haus energieeffizient steuern.

Komfort

Komfort im Smart Home

Komfort im Smart Home

Machen wir uns nichts vor, der Komfortgewinn durch ein Smart Home ist immer der emotionale Grundstein eines jeden Smart Home Projekts. Es ist einfach cool alltägliche Aufgaben zu automatisieren und so das eigene Leben ein Stück weit in die Science-Fiction Welt zu teleportieren.

Du kommst nach Hause und Amazon Echo erzählt Dir, was in der Zwischenzeit alles passiert ist. Du wirst benachrichtigt, wenn jemand an der Tür klingelt oder der Postbote am Briefkasten war. Beim Betreten von Räumen wird das Licht in Abhängigkeit der Helligkeit im Raum eingeschaltet und dazu Deine Lieblingsmusik gespielt.

Diese und unzählige weitere Szenarien lassen sich in einem Smart Home mit ein wenig Anstrengung und guter Planung ganz ohne Raketenwissenschaft realisieren. Mit 15 unterschiedlichen Smartphone Apps allerdings nicht.

Welche Lösungen bietet der Markt?

Der Smart Home Markt ist ein Wachstumsmarkt. Während der weltweite Umsatz 2017 rund 30 Milliarden Euro betrug, erwarten die Hersteller und Verkäufer bis 2022 eine Steigerung auf etwa 100 Milliarden Euro. Vergleichbare Prognosen für andere Märkte dürften schwer zu finden sein.

Solch ein erwartetes Wachstum weckt Begehrlichkeiten. Jeder Hersteller reklamiert einen Teil des Kuchen für sich und versucht mit eigenen Produkten auf den Zug aufzuspringen. Wie in einem solchen Marktzyklus üblich, gehen die Hersteller diesen in zwei Etappen an. Erst geht es um den schnellen Eure auf der der Welle der Euphorie, später dann um Weiterentwicklung und die Etablierung von Standards am Markt. Während dieses Prozesses wird der ein oder andere Hersteller die Segel streichen und aussteigen, aber dazu später mehr.

Trotz des mit über 30 Milliarden Euro bereits unfassbar großen Marktes, befinden wir uns – meiner Meinung nach – noch immer in der ersten Phase. Gut zu erkennen an den täglich neu erscheinenden Smartphone Gadgets. Zwar gibt es bereits etablierte Hersteller die ihre Produktpaletten Stück für Stück erweitern, jedoch hat sich noch lange kein Standard etabliert.

Aus diesem Grunde verzichte ich in diesem Artikel auf Empfehlungen und Entscheidungsbäume zur Findung der richtigen Lösung für die Installation in Deinem Smart Home. Auch wenn schon sehr vieles möglich ist, die Lösungen am Markt sind alle noch nicht so weit, dass damit getätigte Installationen mehr als die nächsten 5-10 Jahre überleben werden.

Smart Home Standards

„Brauchen wir solche Standards überhaupt? Ist die Vielfalt am Markt nicht viel spannender und bringt endloses Potenzial mit sich?“ Mit solchen oder so ähnlichen Fragestellungen und Argumentationen scheinen sich die diversen Hersteller momentan zu beschäftigen.

Um aber einen Wachstumsmarkt zu bedienen braucht es vor allem folgende Eigenschaften: Simplizität, attraktive Preise, eine klare Kommunikation und eben Standards an denen man sich orientieren und abarbeiten kann.

Welche „Quasi-„Standards gibt es bereits?

Es gibt unterschiedlichste Versuche Standards zu etablieren. Mal erfolgreich, mal weniger. So gibt es Hersteller die ihren eigenen Funkstandard etablieren und ein möglichst breites Spektrum an Aktoren und Sensoren zur Verfügung stellen wollen. Hier sind beispielsweise die Systeme von RWE und HomeMatic zu nennen. Sie genießen bei ihren Besitzern einen durchaus guten Ruf. Schränken aber in Punkto Vielfalt ein. Die Produktpalette ist auf einen (oder sehr wenige) Hersteller beschränkt und sollte dieser irgendwann aus dem Markt aussteigen bleibt eine Menge Elektroschrott. Zieht man die Kosten für ein Smart Home in Betracht, so ist die Abhängigkeit von einem einzigen Hersteller ein vermeidbares Risiko.

Dann gibt es noch standardisierte Funkprotokolle wie Z-Wave, Zigbee oder EnOcean. Die von vielen Herstellern gemeinsam entwickelten Protokolle zur Übermittlung von Smart Home Informationen bieten gegenüber den proprietären Versuchen große Vorteile. Zum einen können hunderte Hersteller eine breitere Produktpalette an Aktoren und Sensoren anbieten und zum anderen zieht ein aussteigender Hersteller keine Katastrophe nach sich. Der Aufwand auf eine andere Smart Home Zentrale zu wechseln bleibt, jedoch sind Aktoren und Sensoren weiterhin verwendbar.

Die dritte Kategorie schert sich nicht um Standards und versucht alles miteinander zu vereinen. So bietet beispielsweise Homee eine modulare Smart Home Zentrale. Diese kann durch den Zukauf von Modulen um Funkstandards erweitert werden. Ein durchaus vielversprechender Ansatz mit dem man sich noch weiter von der Abhängigkeit einzelner Hersteller entfernt.

Ausblick Smart Home

Der Smart Home Markt steckt noch in den Kinderschuhen und wird sich mit Hilfe von Enthusiasten und Anwender weiterentwickeln. Die Findung von Standards ist die aktuelle Herausforderung. Dieser Prozess wird dem ein oder anderen Smart Home Betreiber in den nächsten Jahren viele graue Haare bescheren, ist aber für die Entwicklung des Marktes unumgänglich.

Bei aller Kritik. Wie man an meinem Blog und dem Smart Home erkennen kann, brenne ich für das Thema. Es macht mir Spaß immer neue Dinge zu entdecken und auszuprobieren. Es ist mehr als nur ein Hobby geworden. Aber wir stehen noch ganz am Anfang einer Entwicklung, die unser aller Leben nachhaltig verbesser wird. Mit heute noch ungeahnten Möglichkeiten.

Wie siehst Du Smart Home?

Wie immer freue ich mich über zahlreiche Kommentare unter meinen Artikeln. Schreib Deine Meinung zu Smart Home und meinem Artikel gern in die Kommentare oder ins Forum.

 

Moin, ich heiße Bastian und bin Autor dieser kleinen bescheidenen Seite. Zwanghaft, ja fast schon neurotisch beschäftige ich mich seit Jahren mit jedem erdenklichen technischen Schnick-Schnack. Nichts, was einen Stecker hat ist vor mir sicher. So war es klar, dass ich eines Tages das Haus auf den Kopf stellen und alles vernetzen würde.

Da ich bei meinem Vorhaben sehr viel Hilfe und Unterstützung in diversen Foren, Blogs und Boards erfahren habe, möchte ich diesen Blog zum sammeln meiner Smarthome- und Technikerrungenschaften nutzen um der Community zumindest ein klein wenig was zurückgeben zu können.

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