Smart Home Studie

Smart Home Studie

11. Juni 2018 0 393 Von Bastian

In diesem Artikel werfe ich einen Blick auf die Smart Home Studie der Firma mm1. Trends und Potenziale ist die Überschrift und die Studie beinhaltet eine ganze Reihe interessanter Aspekte. So wird aufgezeigt, dass der Markt das Thema zwar positiv bewertet, aber insbesondere vor den Kosten zurückschreckt.

Wie bereits in meinem Artikel „Was ist ein Smart Home?“ erwähnt, ist Smart Home ein absolutes Trendthema. Es fehlt jedoch der Durchbruch. Innovatoren und sogenannte Early Adopters – wie die Leser meines Blogs – beschäftigen sich bereits intensiv mit dem eigenen Smart Home. Der Gesamtmarkt hingegen bestenfalls mit Lösungen für einzelne Herausforderungen – sogenannten Point Solutions. Das sind beispielsweise Sprachassistenten oder über WLAN und Smartphone steuerbare LED-Lampen. Was zur Folge hat, dass zwischen diesen beiden Gruppen potenzieller Käufer eine große Lücke im Markt klafft. Diese zu schließen ist eine Herausforderung für die Hersteller.

Marktentwicklung und -wachstum

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung – kurz und englisch OECD erwartet, dass im Jahr 2020 ein typischer 4-Personen-Haushalt in den Industrieländern 38 vernetzte Geräte betreibt. Darunter fallen allerdings auch alle mit (W)LAN verbundenen Geräte und Gadgets. Vergleiche ich das mit unserem Haushalt, ist das – für 2020 – sehr wenig. Als kleiner Vergleich: Mein DHCP Server vermittelt derzeit 48 Geräten eine Adresse. Die mit dem Home Center verbundenen hinzugefügt, komme ich auf rund 130 vernetzte Geräte.

Adaptionsrate und Umsatzentwicklung

Die in Europa führende Nation in Punkto Smart Home ist Norwegen. Dort setzen bereits 9,6% der Haushalte Smart Home Komponenten ein. In Deutschland sind es hingehen nur 7,4%. Auch insgesamt hinkt Europa im globalen Vergleich deutlich hinterher. In den USA ist bereits jeder 4. Haushalt durch den Einsatz smarter Geräte ein wenig komfortabler geworden.

Smart Home Studie: Adaptionsrate weltweit 2017 und 2021

Smart Home Studie: Adaptionsrate weltweit 2017 und 2021

Es ist nicht ungewöhnlich, dass solche Trends von den USA bestimmt werden. Verwundern bin ich hingehen, dass der Smart Home Zug in Großbritannien (noch) nicht so richtig ins Rollen gekommen ist, zählen die Briten durch die fehlende Sprachbarriere doch eigentlich zu den Technologie-Vorreitern in Europa. Glaubt man den Prognosen, wird sich dies bis 2021 jedoch ändern und UK wird in Europa die Führung übernehmen.

Smart Home Studie: Adaptionsrate Europa 2017 und 2021

Smart Home Studie: Adaptionsrate Europa 2017 und 2021

Smart Home ist ein dynamischer Wachstumsmarkt, welcher bisherige Erwartungen teilweise übertrifft

Aber eben nur teilweise und bisher nicht stark genug um das Gap zwischen uns Nerds und dem Gesamtmarkt zu schließen.

Und in Deutschland?

Laut Smart Home Studie umfasste der globale Markt in 2017 rund 23 Milliarden Euro Umsatz. Bei uns in Deutschland wurden die Erwartungen 2016 um 14% übertroffen. Jeder aktive Haushalt in Deutschland hat in diesem Zeitraum 277 Euro für Smart Home ausgegeben. Bis 2021 wird ein jährliches Wachstum von 43% erwartet.

Smart Home Studie: Umsätze und Prognosen Deutschland

Smart Home Studie: Umsätze und Prognosen Deutschland

Also 4,1 Milliarden Euro in 2021? Bis dahin ist es aus meiner Sicht noch ein weiter Weg. Und auch in der Studie werden unterschiedlichste Gründe dafür genannt. Am häufigsten sind es die hohen Kosten, gefolgt vom Wunsch nach Lösungen aus einer Hand. Also alles von einem einzigen Anbieter.

Das ist mal wieder typisch deutsch. Aus meiner Sicht liegt die größte Stärke von IoT (Internet of Things) eben genau im Gegenteil davon. Das gemeinsame Medium Internet bzw. Netzwerk zur Verknüpfung unterschiedlichster Komponenten zu nutzen. Die breite Masse wünscht sich jedoch schlüsselfertige Lösungen aus der Steckdose, geliefert in einem formschönen Karton eines Herstellers. Versandkostenfrei versteht sich. Inklusive kostenlosen Support, bei vollem Widerrufsrecht.

Typischer 4-Personen-Haushalt in 2020

OECD: Typischer 4-Personen-Haushalt in 2020

USA: Kühlschrank und Waschmaschine vor Heizung

Wie bereits erwähnt, ist der größte Markt für smarte Geräte die USA. Doch welche Art von Geräten wird dort betrieben? Dieser Frage sind die Marktforscher von Report Linker 2017 auf den Grund gegangen. In Anbetracht der Tatsache, dass Point Solutions der Renner sind, ist das Ergebnis wenig überraschend.

Smart Home Studie: Report Linker Umfrage

Smart Home Studie: Report Linker Umfrage

Demnach verfügen 59% der 508 befragten über gar keine smarten Devices. Gefolgt von 20% Connected Appliances, also das was man bei uns als „weiße Ware“ bezeichnet. Waschmaschinen, Kühlschränke, etc. Erst dann folgen smarte Heizungs- und Sicherheitsgeräte.

Markt- und Herstellersegmentierung in Deutschland

Die Studie sieht den Smart Home Markt dreigeteilt.

Als „Premium“ werden die etablierten, aber in der Studie zurecht nicht betrachteten, Hersteller aus der Haustechnik wie Gira, Busch-Jaeger bezeichnet. Diese zeichnen sich in meinen Augen durch viele Jahre Erfahrung aus und basieren (fast) ausschließlich auf Bus Systemen die nicht gerade zur Nachrüstung einladen und exorbitant teuer sind. Noch dazu sind diese „Premium“ Lösungen durch den Einsatz eines Systembus unflexibel und nur sehr aufwändig erweiterbar.

Der Volumen-Markt umfasst Hersteller wie Fibaro, Innogy, HomeMatic und die Telekom. Nicht explizit erwähnt, aber Anbieter wie beispielsweise Homee oder RWE zählen ebenfalls zum Volumen-Markt.

Der dritte und letzte Teil des Marktes sind die berühmten Point Solutions wie Netatmo, Philips oder auch Amazon und Google bzw. Alphabet.

Smart Home Studie: Marktsegmentierung 2017

Smart Home Studie: Marktsegmentierung 2017

Betrachtet man die treibenden Kräfte aus Herstellersicht ist auffallend, dass nur wenige von ihnen aus der IT(K) stammen. Es sind Branchen, Hersteller und Anbieter aus dem Bereich Gebäudetechnik (z.B. Gira), Telko/ITK (Telekom, Vodafone), Unterhaltungselektronik (Apple) und Haushaltsgeräte (Bosch, Siemens) vertreten. Aber auch Energieversorger (z.B. RWE) reklamieren einen Teil des Kuchens für sich.

Kunden- und Kaufverhalten

Die Studie von mm1 betrachtet auch die Erwartungen und Wünsche der Kunden. Als Anwendungsfälle werden hauptsächlich die Bereiche Komfort und Sicherheit genannt. Komfortgewinn ist, wie bereits im verlinken Artikel erwähnt, einer der Treiber im Smart Home Umfeld. Nachhaltigkeit durch Energieeinsparung findet in der Studie nur am Rande Erwähnung. Nur ein kleiner Teil (<10%) des weltweiten Umsatzes werden aus Energiespargründen getätigt. Das erwähnte Einsparungspotenzial sehe ich mit 2-8% als zu gering an. Die zugrundeliegenden Zahlen inkludieren vermutlich alle Nutzer. Also auch die mit Handy-App-Insellösungen und ohne Automation ihrer Heizungssteuerung.

Wie oben bereits erwähnt, wünsche sich ein Großteil der Kunden Smart Home Systeme von einem einzelnen Anbieter und vertrauen dabei auf spezialisierte Anbieter. Aber auch Telekommunikationsanbieter und Energieversorger würden das Vertrauen der Kunden genießen. Der Markt für Point Solutions erfährt ein steigende Nachfrage, trägt aber für sich nur wenig zum Gesamtkonstrukt Smart Home bei.

Als Gründe für Ablehnung gegenüber Smart Home werden mangelnde Kenntnis, hohe Kosten und das beliebte Thema Datensicherheit genannt. Subsummiert unter dem Begriff Datensicherheit finden sich viele Urängste wieder. Hier wird es um ungewollte Fremdeinwirkung und die Angst, dass jemand persönliche Dinge über den Nutzer erfahren könnte.

Steigendes Interesse und Herausforderungen

Um das Kaufverhalten rund um Smart Home zu visualisieren hat mm1 eine spannende Grafik in der Studie veröffentlicht. Diese zeigt Innovationen auf einer Zeitleiste in Relation zu den Google Trends des Suchbegriffes „Smart Home“.

Smart Home Studie: Google Trends und "Innovationen"

Smart Home Studie: Google Trends und „Innovationen“

Sollte diese Grafik aufzeigen, dass es keinerlei Korrelationen zwischen Google Suchen und vermeintlichen Smart Home Innovationen gibt, dann ist es gelungen. Deutlich erkennen lässt sich hingegen die steigende Präsenz des Suchbegriffes „Smart Home“ und das damit verbundene Kundeninteresse.

In Anlehnung an den Gartner „Hype Cycle for Emerging Technologies“ wird von mm1 die Marktlücke zwischen uns Nerds und dem Massenmarkt aufgezeigt. Wie ich finde durchaus gelungen.

Smart Home Studie: Hype Cycle for Emerging Technologies

Smart Home Studie: Hype Cycle for Emerging Technologies

Diese Lücke zu schließen ist die seit einigen Jahren andauernde und noch nicht gelöste Herausforderung für die Hersteller. Der Smart Home Studie nach sind diese durch die Reduzierung der Kosten, die Verringerung der Komplexität und die Erhöhung der Datensicherheit zu meistern.

Ich bin nach wie vor der Meinung, dass eine Konsolidierung des Marktes auf ein paar wenige Standards schneller zur Bewältigung der Herausforderungen beiträgt, als die Entwicklung weiterer (proprietärer) Protokolle und Gadgets. Einige Hersteller sind hier auf einem guten Weg, aber jeder von ihnen muss bis endgültigen Markterschließung Geld verdienen um rentabel zu sein.

Anbieter- vs. Kundensicht

Ein weiterer, sehr spannender Aspekt der Studie ist der Vergleich zwischen Anbieter- und Kundensicht auf den Smart Home Markt. Während laut Statista nahezu die Hälfte aller Kunden angeben, dass smarte Lösungen einfach zu teuer sind, liegt der Anteil der Hersteller mit diesem Verständnis bei lediglich 8%. Man nicht verwundern, denn Entwicklungskosten sind für Kunden die meisten Kunden des Massenmarktes kaum verständlich.

Unter den Kunden gibt es hingegen eine große Anzahl derer, die kein Bedarf (25%) oder nicht genügend Wissen (30%) haben. Zumindest der mangelnde Bedarf deckt sich hier mit der Sicht der von NextMarket Insights befragten Hersteller (24%). Mangelnde Kenntnis ist ebenso wie die gefühlte Unsicherheit bei den Herstellern (laut Umfrageergebnis) kein Thema.

Smart Home Studie: Kunden- und Herstellersicht

Smart Home Studie: Kunden- und Herstellersicht

„Works with Alexa“ – Sprachassistenten

Das Kapitel „Aktuelle Trends: Welche Entwicklungen gibt es im Smart Home Markt“ liefert einducksvolle Begründungen für den verzögerten Übergang in den Massenmarkt. Darin werden Smart Speaker wie Amazon Echo, Siri und Google Home und ein paar weitere Point Solutions bewertet. Es werden die Themen der Internationalen Funkausstellung in Berlin (IFA) vorgestellt und der Smart Home Bezug hervorgehoben. Darunter die Sprachassistenten und in 2017 das Prädikat „Works with Alexa“.

Diese Unternehmen sind Treiber des Elektronikmarktes und die Geräte tragen dazu bei, dass die smarte Welt Einzug in diverse Haushalte weltweit findet. Sie sind eine sinnvolle Ergänzung, und haben (und werden weiterhin), wie richtigerweise in der Studie erwähnt, den Markt voran gebracht. Meiner Meinung nach passen sie aber nur bedingt in eine Schublade mit „Smart Home“.

Mein Fazit und Ausblick

Ich bin weiterhin der Meinung, dass die Hersteller sich zu sehr mit der Entwicklung von proprietären Lösungen und Gadgets beschäftigen und die Vielzahl Nischenanbieter nicht zwingend eine Bereicherung für das Thema Smart Home sind.

Es ist eine Konsolidierung des Marktes notwendig und diese wird kommen. Je früher, desto besser. Die verfügbare Technologie birgt so viel mehr Potenzial als wir bisher ausschöpfen. Der Markt und das Thema ist wie gemacht für eine vollkommen neue Industrie. Daher glaube ich nicht zwingend, dass größten Anbieter sich durchsetzen werden. Viel mehr bin ich davon überzeugt, dass spezialisierte und innovative Start-Ups das Rennen machen werden. Dafür werden auch einiger der heutigen Player am Markt verschwinden.

Danksagung Smart Home Studie

Eine sehr Smart Home Studie von mm1. Ich habe mich, meine Erfahrungen und Meinungen in vielen Punkten wiedergefunden, aber auch Einblicke in neue Bereiche gewinnen können. Daher an dieser Stelle ein großes Dankeschön an die Firma mm1 für die Studie und die Genehmigung zur Verwendung der Inhalte.

Moin, ich heiße Bastian und bin Autor dieser kleinen bescheidenen Seite. Zwanghaft, ja fast schon neurotisch beschäftige ich mich seit Jahren mit jedem erdenklichen technischen Schnick-Schnack. Nichts, was einen Stecker hat ist vor mir sicher. So war es klar, dass ich eines Tages das Haus auf den Kopf stellen und alles vernetzen würde.

Da ich bei meinem Vorhaben sehr viel Hilfe und Unterstützung in diversen Foren, Blogs und Boards erfahren habe, möchte ich diesen Blog zum sammeln meiner Smarthome- und Technikerrungenschaften nutzen um der Community zumindest ein klein wenig was zurückgeben zu können.

Artikel teilen