Basics: Der Heizplan

Basics: Der Heizplan

7. Februar 2017 2 286 Von Bastian

Ein weiterer Artikel aus der Basics-Reihe. Thema diesmal: Der Heizplan. Die Erwartung an den Heizplan ist die zentrale Steuerung aller Geräte die sich mit der Erwärmung der Räumlichkeiten beschäftigen. Und genau das macht der Heizplan des Fibaro Home Center. Nicht mehr und nicht weniger. Trotzdem kommt es immer wieder zu Missverständnissen und Fragen. In diesem Artikel erkläre ich die Funktionalität des Heizplans, die Besonderheiten rund um Zonen und Räume sowie die Notwendigkeit eines lückenlosen Plans.

Der Fibaro Heizplan

Der Fibaro Heizplan

UPDATE 19.05.2017: Mit der Firmware Version 4.130 hat Fibaro das Heizpanel überarbeitet und etwas intuitiver gestaltet. Der Artikel ist dahingehend bereits aktualisiert.

Der Heizplan

Das Home Center bietet eine ganze Reihe von Konfigurationsmöglichkeiten zum Thema Heizen und Kühlen von Räumlichkeiten. Dabei sind Heiz- und Klimaanlagenplanung zu 100% identisch. Alles hier geschriebene ist also 1:1 für die Erstellung von Klimaplänen im Klimaanlagenpanel anzuwenden.

Da immer wieder Fragen dazu auftauchen, möchte ich mich zunächst einmal mit den einzelnen Teilen der Konfigurationsoberfläche beschäftigen, bevor ist Tipps zur Definition des eigenen smarten Heizplans gebe.

Im Webinterface des Home Center 2 gelangt man über die Menüpunkte Steuerung und Heizung zum Heizungspanel.

Der Heizplan im HC2

Der Heizplan im HC2

Funktionsweise

Entgegen den Erwartungen der meisten User steuern die Heizpläne weder Thermostate noch Stellmotoren direkt. Die hinterlegten Zeiten und Solltemperaturen werden über Zonen und Räume an die in den Räumen befindlichen Thermostate übertragen. Der Heizplan überwacht weder Erreichung noch Einhaltung der im Plan vorgegebenen Temperaturen. Diese Aufgabe wird komplett der verbauten Hardware überlassen. Diese erhält vom Heizplan die zum Zeitpunkt gültige Zieltemperatur, öffnet und schließt die Ventile und regelt so die Wunschtemperatur.

Da alle bekannten Z-Wave Thermostate so arbeiten ist es im Heizplan lediglich die Zieltemperatur vorgeben. Den Rest regelt die Hardware. Daher ist es auch nicht notwendig in den wärmeren Monaten des Jahres eine gesonderten Heizplan zu erstellen. Liegt die Temperatur im Raum oberhalb der Solltemperatur wird das Heizungsventil nicht geöffnet und es entstehen keine Heizkosten.

Konfiguration

Im ersten Schritt werden Räume Zonen zugeordnet und für diese Zonen wiederum Heizpläne hinterlegen. Also anders als bei der direkten Zuordnung von Aktoren und Sensoren zu Räumen haben wir hier eine weitere Zwischenschicht in Form von Zonen. Dies wirkt auf den ersten Blick befremdlich, ist aber absolut sinnvoll und wohl durchdacht. Damit lässt sich nicht nur die Anzahl der Heizpläne und der damit verbundene Aufwand zur Identifizierung der richtigen Solltemperaturen und Zeiten reduzieren, sondern auch Räume zu Nutzungsgruppen zusammenfassen.

Räume Zonen zuordnen

Räume Zonen zuordnen

Zonen und Räume

Bei uns im Haus gibt es unterschiedliche Zonen die gemeinsam geregelt werden und dementsprechend zu einer Zone zusammengefasst sind. Das beste Beispiel dürfte hier wohl die Zone Gästebereich sein. In dieser Zone zusammengefasst sind die Räume Gästezimmer und Gäste-WC. So ist es möglich, in Zeiten zu denen keine Gäste anwesend sind, Heizkosten zu sparen und bei sich ankündigenden Gästen für ein Wohlfühlklima zu sorgen. Die Zuordnung von Räumen zu Zonen erfolgt bei der Erstellung der Zone.

Räume Zonen zuordnen

Räume Zonen zuordnen

Zonen umbenennen

Leider ist es seit dem Update auf die Version 4.130 nicht mehr möglich, den Namen der Zonen zu individualisieren. Der Name wird automatisch aus den gewählten Räumen gebildet: „Temperature in Gästezimmer“ heißt dieser dann beispielsweise. Wählt man mehr als einen Raum aus, so wird der Bereich der Räume für den Namen gewählt. In diesem Beispiel hier heißt die Zone „Temperature in Obergeschoss“. Nicht schön und mit mehr als einer Zone auch verwirrend. Mit den nachfolgenden Schritten ist die nachträgliche Umbenennung über die API möglich:

  1. Notiere Dir die ID Deines Heizplanes. Diese findest Du bei geöffnetem Panel in der Adresszeile Deines Browsers. In unserem Beispiel ist es die 259:
    http://IP_HC2/fibaro/de/panels/temperature.html?id=259
  2. Erstelle ein Backup Deiner aktuellen Konfiguration
  3. Öffne die API Dokumentation in einem Browser Deiner Wahl: http://IP_HC2/docs
  4. Suche den Eintrag „panels“ aus der Liste und klicke diesen an
  5. Nun wählst Du den folgenden Punkt GET /panels/heating/{heatingID} aus:

    Panel - API GET

    Panel – API GET

  6. Es öffnet sich die Dokumentation für die API, sowie im unteren Teil ein kleines Formular mit dem Du die JSON Daten des Heizplans abrufen kannst. Trage dafür die ID (hier 259) in das Feld für den Parameter heatingID ein und drücke auf den Button „TRY IT!“

    API GET Formular heatingID

    API GET Formular heatingID

  7. Du bekommst nun die JSON Konfiguration des Heizplans im erscheinenden Feld Response Body angezeigt.

    API Get Response

    API Get Response

  8. Den kompletten Inhalt von Response Body kopierst Du und fügst diesen in einen Texteditor Deiner Wahl ein.

    API Editor

    API Editor

  9. Der markierte Teil ist der Name Deines Heizplans. Diesen kannst Du nun nach Belieben umbenennen. In unserem Beispiel benennen wir den Heizplan „Gästezone“.  Anschließend wieder den kompletten Text kopieren.
  10. Zurück zur API Dokumentation: http://IP_HC2_API/docs und diesmal den Punkt PUT /panels/heating/{heatingID} auswählen.
  11. In das sich öffnende Formular trägst Du nun unter heatingID wieder die ID Deines Heizplans ein (hier 259) und fügst den kopierten JSON Code in das Feld body .

    Heizplan API PUT

    Heizplan API PUT

  12. Durch einen Klick auf den Button „TRY IT!“ wird die neue Konfiguration an das Home Center 2 gesendet.
  13. Wenn Du alles richtig gemacht hast, dann steht ganz am Ende im Feld Response Code 200 und Du hast Deine Zone erfolgreich umbenannt.

Pläne

Nach der erfolgreichen Zuordnung der Räume zur Zone (und deren Umbenennung) geht es nun an den eigentlichen Heizplan. Es handelt sich bei im Grunde um eine einfache Planung von Zeiten und Zieltemperaturen. Für jeden Wochentag sind 4 Schaltzeiten auf Basis der Uhrzeit zu hinterlegen. Also jeweils eine Startzeit und eine Zieltemperatur für 4 Zeitpunkte am Tag. Diese 4 Schaltzeiten repräsentieren die 4 Tageszeiten Morgen, Tag, Abend und Nacht. In der Standardkonfiguration sind folgende Zeiten hinterlegt:

  • Morgen: 6 bis 12 Uhr
  • Tag: 12 bis 18 Uhr
  • Abend: 18 bis 0 Uhr
  • Nacht: 0 bis 6 Uhr

Hier ein Beispiel für die Konfiguration des Heizplans für unser Wohnzimmer.

Heizplan Wohnzimmer

Heizplan Wohnzimmer

Dieser Heizplan ist relativ simpel. Zwischen 7 und 10 Uhr wird das Wohnzimmer auf 21° C geheizt, zwischen 10 und 18 Uhr auf 18° C, von 18 bis 22 Uhr sind es 21°C und ab 22 Uhr (bis zur ersten Schaltzeit am Folgetag) wieder 18°C. So sieht der Plan für die Wochentage aus. Am Wochenende unterscheidet sich der Plan darin, dass auch für Tag die 21°C vorgegeben sind.

Bei der Auswahl der Zeitfenster und Solltemperaturen empfiehlt es sich für jeden Tag, jede Tageszeit sowie jeden Wochentag eine Zieltemperatur zu hinterlegen. Wird beispielsweise für den Zeitraum Montag von 10 bis 18 Uhr keine Zieltemperatur hinterlegt, so bleiben zwar die Thermostate bei den Temperaturen des vorherigen Zeitraums (hier 21°C) stehen, lassen sich aber manuell am Endgerät anpassen und werden nicht wieder auf die eigentliche Solltemperatur zurückgestellt. Dies mag sich im ersten Moment verlockend anhören, das zielgerichtete Sparen von Heizkosten wird damit aber deutlich schwieriger. Weiterhin basieren einige der im Netz verfügbaren Szenen für Sonderfälle nur mit vorhandenen Zieltemperaturen.

Die hier hinterlegten Solltemperaturen werden während der aktuellen Tageszeit im Minutentakt an die Thermostate in den Räumen der Zone übertragen. So sorgt der Heizplan dafür, dass dieser eingehalten und das Wunschklima im Raum etabliert wird.

Manueller und Urlaubsmodus

Die Oberfläche bietet noch 2 weitere Konfigurationsmöglichkeiten.
Manuellen Modus: Dieser ist dafür gedacht, einen Heizplan für eine definierte Zeit außer Kraft zu setzen und für einzelne oder alle Zonen eine vom Plan abweichende Solltemperatur vorzugeben.
Urlaubsmodus: Dieser  hingegen ermöglicht eine Dauerhafte Änderung der Solltemperatur. Beispielsweise um während einer längeren Abwesenheit eine niedrigere Temperatur für bestimmte Zonen zu setzen um Heizkosten zu sparen.

Der sinnvolle Einsatz dieser Funktionen kann bares Geld sparen. Weiteres dazu hier unten unter „Den eigenen Heizplan smart machen“.

Zusammenfassung Konfiguration

Die notwendigen Schritte bei der Definition eines Heizplans sind also:

  • Zonen definieren (und ggf. umbenennen)
  • Räume zuordnen
  • Pläne erstellen

Soviel zur Grundkonfiguration der Heizpläne. Mit den definierten Plänen und der dazugehörigen Hardware in den einzelnen Räumen ist das Home Center nun in der Lage die Thermostate in Abhängigkeit von Wochentag und Tageszeit zu steuern. Nun geht es um die Finalisierung und das Finden der tatsächlichen Wunschtemperatur.

Den eigenen Heizplan smart machen

Im Netz – und auch auf meinem Blog – kursieren etliche Szenen und Skripte die sich mit der Individualisierung von Heizplänen sowie der Abbildung von Sonderfällen beschäftigen. Diese bieten reichlich Mehrwert und machen die Steuerung der Heizkörper noch ein ganzes Stück smarter.

Jedoch wird dabei häufig die Wichtigkeit einer soliden Basis aus den Augen verloren. Wer das Thema smarter Heizplan mit der Abbildung von Sonderfällen beginnt, dem wird es schwer fallen die Grundfunktionalitäten der Heizungssteuerung gewinnbringend einzusetzen. Die Folgen sind häufiges Anpassen und die ewige Unzufriedenheit mit dem Raumklima. Es gilt also erstmal mühsam die Basics zu erstellen und sich erst dann mit der Implementierung von Sonderfälle zu beschäftigen.

Ganz wichtig: Um im Home Center einen gut funktionierenden Heizplan zu erstellen bedarf es neben Konfiguration und geeigneter Hardware auch etwas Geduld sowie ein feines Gespür für die richtige Konfiguration. Die sinnvolle und richtige Definition von Zieltemperaturen und Schaltzeitpunkten ist hier die Herausforderung. Bis ein schlüssiger und gut funktionierender Heizplan erstellt ist, kann es – je nach Jahreszeit – schon mal ein paar Wochen dauern. Die Erstellung eines solchen Plans ist ein iterativer Prozess. Immer wieder müssen Raumtemperaturen mit dem Wohlbefinden abgeglichen und die richtigen Schlüsse daraus gezogen werden. Hektisches Anpassen der Solltemperaturen auf Grund von temporären Gegebenheiten verzögert das Finden des richtigen Heizplans und führt zu Unzufriedenheit.

Feedback

So viel zum einfachen Einstieg in den Heizplan. Habe ich etwas vergessen? Gibt es weitere Fragen? Dann ab damit in der Kommentarfunktion oder das Fibaro Forum.

Der Autor

Moin, ich heiße Bastian und bin Autor dieser kleinen bescheidenen Seite. Zwanghaft, ja fast schon neurotisch beschäftige ich mich seit Jahren mit jedem erdenklichen technischen Schnick-Schnack. Nichts, was einen Stecker hat ist vor mir sicher. So war es klar, dass ich eines Tages das Haus auf den Kopf stellen und alles vernetzen würde.

Da ich bei meinem Vorhaben sehr viel Hilfe und Unterstützung in diversen Foren, Blogs und Boards erfahren habe, möchte ich diesen Blog zum sammeln meiner Smarthome- und Technikerrungenschaften nutzen um der Community zumindest ein klein wenig was zurückgeben zu können.

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